Lima Kleist von Martin Meyer

„Ihr Name?“

„Lima Kleist.“

Die Büchereiangestellte blickte auf. Sah Lima Kleist über den Rand ihrer Brille hin an. Ein Blick, den Lima nur zu gut kannte und sie desto aggressiver machte, wohl wissend, welche schon tausendmal gestellte Frage nun ein weiteres Mal auf sie zukäme: „Sind Sie verwandt mit Heinrich von Kleist?“

„Nein“, antwortete Lima unterkühlt. „Und außerdem war der ein „von“. Nicht nur Kleist, sondern von Kleist.“

„Ganz meinerseits“, entgegnete die Bibliotheksangestellte. „Ich heiße Pippi Langstrumpf.“

„Pippi wie?“

„Sie haben richtig gehört“, bekräftigte die Angestellte. „Meine Eltern gehören zu den beiden Sippen hier in der Gegend, die Langstrumpf heißen. Den Namen gibt es also tatsächlich.“
Lima nickte. Und dann auch noch Pippi. An sich schon die Höchststrafe, und dann war sie noch Bibliotheksangestellte.

„Tut mir leid, dass ich so grob war zu Ihnen wegen dem Kleist.“

„Schon gut“, sagte die Angestellte versöhnlich und lächelte. Er jetzt fiel Lima Kleist auf, dass sie tatsächlich ein wenig wie die echte Pippi aussah wegen der vielen, vielen Sommersprossen.