Gerchlas-Schorsch von Martin Meyer

In Ober, Mittel und in Unter,
Seit jeher gibt es groß Geschrei:
Die Franken zanken rauf und runter,
Wo denn das wahre Franken sei.

Denn Würzburg, Bamberg und die Noris
Mit Lehm nur werfen wie ein Kind,
Je schreiben ihre kruden Stories,
dass sie der Franken Krone sind.

Beim Bratwurstwettstreit stets die Degen
Im ganzen Land sind mit dabei,
Der Rezeptur zur Füllung wegen
Man sich beharket frank und frei.

Und selbst beim Georg tut man streiten
Am Main ist er der Schorsch zumeist,
Doch in des Landes östlich Breiten
Er allenthalben Gerchla heißt.

Dann München tat ein Machtwort sprechen,
Von dort ein Ratschlag, kühn und forsch,
Mit Biegen Schluss sei und mit Brechen,
Jetzt einigt euch auf Gerchlas-Schorsch!

Erfolg versprach das freilich keinen,
Bei Franken von Geblüt und Rang,
„Aus München!“, wetterten die einen,
Den andern war das schlicht zu lang.

Drum Franken tut schon lang vermorschen,
in München nur fließt der Gewinn,
Weil ich von allen Gerschlas-Schorschen
Schon bald der allerletzte bin.

Und die Moral von der Geschichte?
Auch wenn die Einigkeit gar schwer,
Steht sie uns besser zu Gesichte,
Sie schenkt uns Franken mehr Gehör!